
Koffertown on tour – zu Gast in Bremen
100 Jahre Betriebshof Sebaldsbrück und Modellbautage am 10. und 11. Oktober 2026
Hier auf meiner Webseite war es in den vergangenen Jahren ziemlich ruhig. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich untätig gewesen bin. Vieles habe ich inzwischen eher auf Instagram veröffentlicht. Das Festwochenende zum 100-jährigen Bestehen des Bremer Straßenbahnbetriebshofs Sebaldsbrück ist aber ein schöner Anlass, auch hier wieder einmal etwas zu schreiben.

Am 10. und 11. Oktober 2026 fanden auf dem Betriebshof neben den Feierlichkeiten auch Modellbautage statt. Mit dabei war meine kleine H0-Straßenbahnanlage Koffertown, die damit nach längerer Ausstellungspause wieder einmal auf Reisen ging. Die letzte überregionale Ausstellung war 2020 bei KBGG in Braunschweig.

Eine kleine Stadt im Koffer
Koffertown entstand 2017 als gemeinsames Projekt mit meinem Sohn Manuel. Die Idee war damals, eine möglichst kleine Straßenbahnanlage zu bauen, die sich problemlos in einem Koffer transportieren lässt.
Die ursprüngliche Anlage misst gerade einmal 36 × 54 Zentimeter. Bei den engen Gleisradien von nur 160 Millimetern war von Anfang an klar, dass hier nicht jedes Straßenbahnmodell fahren kann.
Im Laufe der Jahre hat sich Koffertown immer wieder verändert. Nach einer amerikanischen Variante entwickelte sich die Anlage zu einer fiktiven norddeutschen Stadt mit historischen Gebäuden, engen Straßen und einem ungewöhnlichen Gleisnetz.
Nach Ausstellungen unter anderem in Nürnberg und Braunschweig ging es nun also nach Bremen.
Zu Koffertown findet ihr einige Beiträge hier auf meiner Webseite.
Vorbereitungen für Bremen
Vor dem Festwochenende gab es noch einiges zu erledigen. Besonders die Straßen hatten im Laufe der Jahre gelitten. Ursprünglich hatte ich sie aus einem Hartschaummaterial hergestellt, das mit der Zeit immer mehr Beschädigungen aufwies.

Deshalb habe ich vor der Ausstellung sämtliche alten Straßenflächen entfernt und durch Kopfsteinpflaster von CH Kreativ ersetzt. Lediglich die Bereiche, die damals eingegipst worden waren, habe ich belassen. Sie stellen nun Straßenabschnitte dar, an denen im Laufe der Jahre größere Ausbesserungsarbeiten vorgenommen wurden.

Durch diese Arbeiten hat sich das Erscheinungsbild von Koffertown deutlich verändert. Das neue Kopfsteinpflaster passt wesentlich besser zu den historischen Gebäuden und verleiht der kleinen Stadt einen ganz anderen Charakter.

Weiterhin habe ich noch kleine Änderungen an der Steuerung des Automatikbetriebs gemacht, um die Betriebssicherheit zu erhöhen. Diese ist versteckt unter der Feuerwehrwache.

Eine weitere große Veränderung ist der neue Hintergrund. Er zeigt eine fiktive norddeutsche Hafenstadt und wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Zusammen mit den Gebäuden im Vordergrund entsteht so der Eindruck einer deutlich größeren Stadt.

Eine weitere Anregung bekam ich auf einer Modellbahnausstellung in Münster. Dort hatte ich die polnische Anlage „Nad dachami Kwidzyna“ von Leszek Lewiński gesehen. Besonders interessant fand ich die eingesetzten Spiegelflächen, durch die die Anlage optisch größer wirkte.
Diese Idee habe ich für Koffertown übernommen. Die Spiegel an den Seiten lassen die kleine Stadt nun scheinbar über ihre tatsächlichen Grenzen hinaus weiterlaufen.

Dass das offenbar ganz gut funktioniert, zeigte sich während der Ausstellung. Mehrere Besucher versuchten herauszufinden, welche Stadt auf dem Hintergrund zu sehen ist. Kiel und Lübeck wurden beispielsweise vermutet. Als ich erklärte, dass es sich um eine KI-generierte Ansicht handelt, war die Überraschung durchaus groß.
Zwischendurch hatte ich sogar selbst kurz den Gedanken, dass der Hintergrund vielleicht den Hafen von Rungholt zeigen könnte – wenn die sagenumwobene nordfriesische Handelsstadt nicht im 14. Jahrhundert untergegangen wäre, sondern sich bis heute zu einer größeren Hafenstadt entwickelt hätte. Eine kleine historische Spinnerei, die ich ganz reizvoll fand. 😉

Das Imperium wurde von einem Stormtrooper der Öffentlichkeitsarbeit vertreten, der kleine Geschenke verteilte, schließlich sind wir ja auch die Guten 😁.
Für Bremen habe ich außerdem einige neue Straßenbahnmodelle am Computer konstruiert und anschließend im 3D-Druck hergestellt. Dazu gehört unter anderem der Bremer Großraumwagen, der wegen seiner Form auch als „Zigarre“bekannt ist. Ein Original dieses Fahrzeugtyps ist bis heute erhalten geblieben.

Straßenbahn in Groß und Klein
Während des Festwochenendes gab es auf dem Betriebshof Sebaldsbrück einiges zu entdecken. Neben den historischen und modernen Straßenbahnen waren auch mehrere Modellstraßenbahnanlagen und Fahrzeugausstellungen vertreten.
Mit dabei waren die IG Modellstraßenbahn aus Hannover, die Gemeinschaftsanlage von Holger Ott und Christian Breindl sowie die Bremer Straßenbahnfreunde vom Club Linie 11.



Die deutsche TLRS-Gruppe aus Hamburg zeigte eine Auswahl ihrer Straßenbahnmodelle. Die Hansetrucker e. V. waren mit ferngesteuerten Funktionsmodellen vertreten und sorgten damit auch abseits der Schienen für Bewegung.

Für mich war es schön, nach der längeren Pause wieder mit anderen Modellstraßenbahnern zusammenzukommen, Erfahrungen auszutauschen und natürlich Koffertown den Besuchern zu zeigen.
Ich habe auch die Gelegenheit genutzt, eins meiner Modelle zusammen mit dem Original zu fotografieren.

Kleine Straßenbahnen zum Mitnehmen
Für die Ausstellung hatte ich mir noch etwas überlegt. Mit meinem 3D-Drucker habe ich kleine, bewusst einfach gehaltene Straßenbahnmodelle in verschiedenen Farben hergestellt, die sich die Besucher kostenlos mitnehmen konnten.


Die Idee kam ausgesprochen gut an. Am Ende des Wochenendes waren tatsächlich alle kleinen Straßenbahnen weg!

Auch die Koffertown-Flyer fanden viele Abnehmer. Besonders gefreut haben mich die zahlreichen Gespräche mit Besuchern, die sich für die Anlage, ihre Technik und die Entstehungsgeschichte interessierten.
Nach Bremen ist vor der nächsten Ausstellung
Das Festwochenende in Sebaldsbrück hat mir viel Spaß gemacht. Zwei Tage voller Straßenbahnen, interessanter Modelle und netter Gespräche waren die Vorbereitungen auf jeden Fall wert.
Inzwischen ist Koffertown wieder zu Hause angekommen. Wohin die nächste Reise geht, steht noch nicht fest. Aber eines ist sicher: Die kleine Stadt wird auch in Zukunft nicht dauerhaft im Koffer bleiben.

Koffertown on tour – seit 2017.
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